Faulebutter

Die Kapelle in Weuspert unterhalb von Faulebutter um 1930
Die Kapelle in Weuspert unterhalb von Faulebutter um 1930. Unten rechts: Der Hof Rademacher

Gemeinde Finnentrop, Einwohnerzahl: 7 (Stand 31.12.2014), Naturpark "Sauerland-Rothaargebirge", Höhenlage 525 m.

Ein großer Teil der historischen Orts-, Flur- und Gewässernamen ist heute in seinem Sinngehalt nicht mehr ohne weiteres zu verstehen und bedarf einer Klärung, die jedoch aus verschiedenen Gründen nicht immer möglich ist oder sich auf Teile eines Namens beschränken muss.

Im Sauerland, das zum niederdeutschen Sprachbereich gehört, kommt noch hinzu, dass ursprünglich hier eine andere Sprache gesprochen wurde als das heutige Hochdeutsch.

Namen zeigen allgemein ein starkes Beharrungsvermögen und bewahren eine alte, natürlich im Laufe der Jahrhunderte immer unverständlicher werdende sprachliche Gestalt, die dann oft zu erklärenden Ergänzungen oder Änderungen führt, welche mit dem ursprünglichen Sinn nichts mehr zu tun haben.

Der Hof Rademacher um 1930. Bild mit freundlicher Genehmigung des Gemeinde-Archivs
Der Hof Rademacher um 1930. Bild mit freundlicher Genehmigung des Gemeinde-Archivs

Ein solcher Orts- und Flurname ist auch „Faulebutter", der in keinem erkennbaren Sinnzusammenhang mit den heutigen Verhältnissen steht und zu mancherlei spöttischen Anmerkungen oder auch zum Lachen Anlass gibt. Die wenigen Gebäude der aus zwei alten Höfen bestehenden Ansiedlung sind keine eigenständige Ortschaft, sondern gehören zu Weuspert. Dort war eine Kapelle und bis vor etwa 35 Jahren auch eine einklassige Schule.

Der Mittelpunkt von Faulebutter liegt bei 512 m über NN, die Feldflur teilweise erheblich höher. Diese Höhenlage ist für die Landwirtschaft im Sauerland schon schwierig. Gegenüber umliegenden Mulden- oder Tallagen ist die Vegetationsperiode kürzer, die Gefahr von Ernteausfällen größer. Seit der Einführung der künstlichen Düngung mit der Möglichkeit, das Wachstum der Feldfrüchte zu beschleunigen und zu stabili­sieren, ist diese Gefahr in der Neuzeit geringer geworden.

Wie real sie gewesen ist, verrät die frühere Form des Namens Weuspert, der aus „Wustenbracht" entstanden ist. Nach Paul Moog¹, der sich auf Hömberg und Seibertz stützt (Urk.B. 551 § 26 und 158, 665 § 283), belehnte Graf Ludwig von Arnsberg (1281 bis 1313) „Franko von Ostentrop und Gobel von Langenol mit je einem Hof in Wustenbracht, Graf Gottfried IV. (1338 bis 1368) den Rutger von Lenhausen mit zwei Höfen und vier Kotten sowie mit den homines infrascriptos Gerbertum de Wustenbracht".

Weiter zitiert Moog: „nach einer Lehnsrolle des Walrave to Wenne trug Hermann van Frielentrop genand van Helden `den Hof Woeste­berg und gantzen Woesteneye met aller tobehoringe gelegen in dem Kirspel Schönholthausen' von ihm zu Lehen (Archiv Wenne)." Aus den zitierten Urkunden geht eindeutig hervor, dass Teile der Ortschaft Weuspert im späten Mittelalter zumindest zeitweilig wüst gelegen haben, also nicht landwirtschaftlich genutzt wurden, wahrscheinlich bedingt durch die Höhenlage, die schon bei geringfügigen Klimaschwankungen zu Ernteausfällen führte.

Luftbild von Faulebutter mit freundlicher Genehmigung von Valentina Goeck (Trier)
Luftbild von Faulebutter mit freundlicher Genehmigung von Valentina Goeck (Trier)

Von dieser Feststellung her ergibt sich auch eine Erklärung für den Namen „Faulebutter". Das mittelniederdeutsche „vûl" (faul) wird von August Lübben erklärt als „durch Fäulnis verdorben",² während der zweite Wortbestandteil „bôt" Ernte bedeutet. So heißt nach Lübben die nur zur Erntezeit eingestellte Magd „bôtmaget" (Erntemagd). Die Zusammensetzung „vûlbôt" bezeichnet somit „die durch Fäulnis verdorbene Ernte", was bei der Höhenlage der „Faulebutter" nicht selten gewesen sein dürfte.³

Die Tatsache, dass der gleiche Name an einem untersonnigen und kaum für landwirtschaftliche Zwecke zu nutzenden Seitentälchen der Lenne in der Nähe von Meggen haftet, kann als Bestätigung verstanden werden.

Es ist allenthalben zu beobachten, dass Namen wie „Faulebutter", die lange Zeit nur „erlitten" wurden, heute durch geschicktes Marketing sich durchaus als vorteilhaft erweisen können. Ihre Vorzüge sind Originalität und Einprägsamkeit. Letztlich gehört dazu auch der Begriff „Sauerland".

Anmerkungen/Verweise:

¹ Paul Moog, Faulebutter ... oder?, Sonderdruck aus der Zeitung „Sauerländischer Gebirgsbote" Heft 4, August 1968.

² August Lübben, Mittelniederdeutsches Handwörterbuch, Norden und Leipzig 1888, Reprint der wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt 1995.

³ Vgl. dazu den Beitrag von Dr. A. Müllmann und Gertrud Junker in „Sauerland", Heft 4/2003, S. 178.

Die von G. Junker herangezogene Bedeutung „Bottich" kann den weiteren Gebrauch des Namens nicht erklären. Ihre Deutung berücksichtigt auch nicht den Appellativcharakter derartiger Namen und wirkt konstruiert.

Quelle:

Mit freundlicher Genehmigung des Sauerländer Heimatbundes, Postfach 1465, 59870 Meschede und des Autors Herrn Werner F. Cordes.

Artikel veröffentlicht im Magazin "Sauerland", 39. Jahrgang, Ausgabe 4/2006, ISSN 0177-8110 Verlag F.W. Becker, Arnsberg.

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